Offener Brief an die Stadt Bochum

Seit Kurzem werden die Geflüchteten-Wohnungen in der Krachtstraße „leergezogen“. Bis Ende des Jahres sollen die Häuser leer sein. Obwohl lange genug Zeit war, soll es plötzlich ganz schnell gehen, mit dem Resultat, dass der Umzug über die Köpfe der Bewohnerinnen und Bewohner hinweg geschieht.
Bei unserem Netzwerktreffen am Montag haben wir beschlossen Öffentlichkeit dafür zu schaffen und Druck auf die Stadt auszuüben, die Menschen so unterzubringen, dass sich ihre Situation nicht verschlechtert. Bitte helft uns dabei und teilt den Brief!


Offener Brief zur Unterbringung der Bewohner aus der Krachtstraße

Sehr geehrter Herr Eiskirch,
sehr geehrte Frau Anger ,
sehr geehrte Frau Platzmann-Scholten,

wir, die ehrenamtlich Engagierten im Netzwerk Flüchtlinge Langendreer, wenden uns in diesem offenen Brief an Sie, weil wir es für unzumutbar halten, wie der bis Ende Dezember geplante Leerzug des Übergangsheims in der Krachtstraße in Bochum Werne derzeit von der Stadt Bo­chum durchgeführt wird. Wir fordern Sie hiermit auf, darauf hinzuwirken, dass bei dem Umzug die Bewohnerinnen und Bewohner und alle Beteiligten einbezogen und weitere soziale Härten vermieden werden!

Seit einigen Jahren schon ist bekannt, dass die Häuser in der Krachtstraße, in denen seit langer Zeit Geflüchtete untergebracht sind, leergezogen werden sollen. Es gab also genug Zeit den Um­zug der Menschen dort so vorzubereiten, dass für alle eine Lösung gefunden wird, die ihre Situa­tion berücksichtigt. Stattdessen wurden die Betroffenen erst vor einigen Wochen darüber infor­miert, dass der Leerzug der Gebäude bis zum Ende dieses Jahres stattfinden soll. Verständlicher­weise sorgt dies bei den Bewohnerinnen und Bewohnern für große Verunsicherung und Ängste.
Das Leerziehen der Häuser geschieht im Übrigen ohne äußeren Druck auf die Stadt: Nutzungs­pläne für das Gelände sind nach wie vor eher vage oder zumindest nicht offiziell bekannt.

Der Umzug der Bewohnerinnen und Bewohner geschieht über die Köpfe der Betroffenen hin­weg. Auch die ehrenamtlichen Unterstützerinnen und Unterstützer, die in dieser schwierigen Si­tuation versuchen zu helfen, erhalten keinerlei Informationen. Eine Unterstützerin sah sich mit der Situation konfrontiert, dass eine Familie, der sie seit Langem eng verbunden ist, von einem Tag auf den anderen nach Querenburg umquartiert wurde. Dass die Kinder nun einen langen und schwierigen Schulweg haben, wurde offenbar nicht berücksichtigt und mit der Familie auch über­haupt nicht geklärt. Eine Lehrerin der Willy-Brandt-Gesamtschule, die einige der Schüler unter­richtet, beklagt, dass die Schulsituation durch ein solches Vorgehen deutlich erschwert wird. Denn ohnehin benötigen viele der Kinder und Jugendlichen aus der Krachtstraße besondere För­derung bei der Integration. Hier gibt es durchaus positive Entwicklungen, doch das Herausreißen der Schüler aus ihrem Wohnumfeld stellt einen Rückschlag dar.

In der Krachtstraße leben zudem Menschen mit besonderen Problemen, wie etwa Behinderun­gen oder chronischen Erkrankungen. Eine Verbesserung ihrer derzeitigen Wohnsituation ist na­türlich wünschenswert. Jedoch könnte ein plötzlicher Umzug in ein komplett anderes Wohnum­feld eine Verschlechterung ihrer Situation bedeuten, wenn diese nicht berücksichtig wird.

Wir Unterstützerinnen und Unterstützer kennen die ohnehin schon schwierige soziale Situation, in denen die Familien in der Krachtstraße leben. Viele von uns kennen die Menschen persönlich, kennen ihre Geschichten, wissen um die besonderen Lebensumstände und Unterstützungsbedar­fen. Wir wollen es nicht einfach hinnehmen, dass die Menschen als bloße Objekte der Verwal­tung „verschoben“ werden.

Wir fordern von Ihnen als Verantwortliche in Politik und Verwaltung deshalb:

– die Menschen aus der Krachtstraße nicht in Sammelunterkünfte sondern wieder in Woh­nungen unterzubringen,
– alle Bemühungen daran zu setzen einen wohnortnahen Umzug zu ermöglichen, damit die Menschen nicht komplett aus ihrem Umfeld herausgerissen werden und die Kinder keine weiten Schulwege haben oder die Schule wechseln müssen,
– beim Umzug Härten zu berücksichtigen (Behinderung, Krankheit),
– die Bewohnerinnen und Bewohner einzubeziehen, die Sozialarbeiterinnen zu informieren und die ehrenamtlichen Unterstützerinnen und Unterstützer nicht außen vor zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen,

die Ehrenamtlichen im Netzwerk Flüchtlinge Langendreer